Modalverben subjektiv — vollständiges Paradigma inkl. Vergangenheit
C1 · ~17 Minuten
Modalverben können in der subjektiven Verwendung die Einschätzung oder Haltung des Sprechers zu einer Sachaussage ausdrücken — im Unterschied zur objektiven Verwendung, die eine Pflicht, Erlaubnis oder Fähigkeit bezeichnet. Auf C1-Niveau müssen alle sechs Modalverben mit ihren subjektiven Lesarten in der Gegenwart und Vergangenheit produktiv beherrscht werden. Die Gegenwartsform: Modalverb + Infinitiv (er muss krank sein, er könnte Recht haben, er soll Millionär sein, er will ein Zeuge gewesen sein, er dürfte sich geirrt haben, er mag einen Punkt haben). Die Vergangenheitsform: Modalverb + Partizip II + sein/haben (er muss krank gewesen sein, er könnte es gewusst haben). Die Distinktion zwischen den sechs Lesarten — Epistemic (muss, dürfte, könnte, kann, mag), Reportativ (soll), Kontrafaktisch-Claimed (will) — ist eine spezifische C1-Kompetenz.
- Angesichts der Beweislage muss der Angeklagte vom Tatort gewusst haben.
- Die Verzögerung dürfte auf interne Unstimmigkeiten zurückzuführen sein.
- Der Zeuge soll die gesamte Transaktion beobachtet haben — das wird nun geprüft.
- Er will an jenem Abend zu Hause geblieben sein, obwohl Zeugen ihn andernorts gesehen haben wollen.
- Die Ergebnisse mögen überraschen, sind aber methodisch solide abgesichert.
- Diese Interpretation könnte zutreffen, lässt sich aber anhand der vorliegenden Daten nicht bestätigen.
- Die Kosten müssen erheblich unterschätzt worden sein, da das Budget so rasch aufgebraucht war.
- Der Konflikt mag tiefere strukturelle Ursachen haben, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Welches Modalverb drückt aus, dass die Aussage auf einer fremden Quelle basiert (reportativ), nicht auf eigener Einschätzung?